Boule ist die schönste Art, einen Nachmittag zu vertrödeln.
Der Tod der Hektik, die Antidroge des Adrenalins.
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Der Name – Ped tanco

Die Körperhaltung des Pétanque-Spielers hat dem Spiel seinen Namen gegeben. Pétanque ist abgeleitet aus dem erst seit etwa 1930 bekannten, französischen Begriff pied tanqué, der vom provenzalischen ped tanco stammt. Ped tanco heißt übersetzt: „Auf dem Boden fixierter Fuß“.

Die Spielregeln verlangen dementsprechend, dass die Spieler ihre Füße von deren Platz im Kreis erst vollständig abheben dürfen, wenn die gespielte Kugel den Boden berührt hat.

Die Entstehung von Pétanque

Pétanque, so wird überliefert, entstand in der kleinen Hafen – und Werftenstadt La Ciotat, die etwa 30 km östlich von Marseille liegt. Berichtet wird: Einige Spieler beschäftigten sich auf dem Bouleplatz der Stadt (an der heutigen Avenue de la Pétanque gelegen) mit dem bewegungsreichen Jeu provençal. Jules LeNois, der zu dem Kreis gehörte, aber wegen einer Gehbehinderung nicht mitmachen konnte – ob Rheuma oder ein Unfall die Ursache war, ist unsicher – saß auf einer Bank und schaute zu. Schließlich begann er sich den Unmut, nur zuschauen zu können, damit zu vertreiben, dass er seine Kugeln auf die sehr kurze Distanz von nur drei Metern warf. In einer Spielpause kam sein Freund Ernest Piotet hinzu und leistete ihm bei dem neuen Zeitvertreib Gesellschaft. Andere schlossen sich an. Mit der Zeit einigte man sich darauf, aus dem Abwurfkreis, stehend, auf sechs Meter Distanz zu spielen. Gleichzeitig wurden weitere Regeln entwickelt, die vom Provenzalischen Spiel abwichen. Das geschah im Juni 1910. An das Ereignis erinnert heute eine Tafel an der Mauer des Pétanque-Platzes von La Ciotat.

Die Kugeln mit dem Gewicht von 650 bis 800 Gramm werden gelegt (pointer) oder geschossen (tirer). Die in Bayern zur „Sau“ und in Hessen zur „Wutz“ mutierten kleinen Spielkugel aus Holz oder Plastik darf durch „Schüsse“ aus ihrer ursprünglichen Position gebracht werden. Und mit diesen Möglichkeiten beginnt das Taktieren, und damit der eigentliche Spaß an diesem Spiel. Auf diese Weise kann sich eine Partie bis zu drei Stunden hinziehen. Das bedeutet 420 Kugeln bewegen und 60 Mal in die Knie gehen. „Boule beinhaltet Facetten der unterschiedlichsten Sportarten“

Spieler mit BoulekugelDas Spiel mit den silbernen Metallkugeln gehört zu Frankreich wie das Baguette oder der Rotwein, und dort ist dieser Tag Nationalfeiertag. Vor 212 Jahren stürmten die Pariser Bürgerinnen und Bürger die, Bastille, ihr altes Stadtgefängnis. Die Erstürmung gilt als Startzeichen für die Französische Revolution. In Frankreich wird mit großen Militärparaden daran erinnert. Die Marktheidenfelder Boulefreunde hängten es tiefer: Sie gaben auf ihrem Bouleplatz am 14. Juli in Marktheidenfeld den Sturm auf den Pastis frei.

Doch im Mittelpunkt stand natürlich das Boulespiel. Und wer denkt, das Werfen mit den Kugeln sei nur etwas für altersschwache Rentner, der irrt sich gewaltig. Denn auch hier geschieht das typisch Menschliche (Männliche?): Aus jeder scheinbar noch so spielerischen Beschäftigung kann sportlicher Ergeiz von mitunter gigantischen Ausmaßen erwachsen. Das Mannschafts- und Einzelspiel Boule verfügt über Regeln, die es in sich haben. Nur einfach so nahe wie möglich an die kleine Kugel, das „Cochonnet“, zu deutsch Schweinchen, zu werfen, damit ist es lange nicht getan.

Boule spielt man ganz – oder gar nicht.

In Frankreich gibt es ca. 600.000 Aktive, in Deutschland ca. 40.000.